11 Jahre Hausaufgabenschule in der Mosaikschule – Ein Ehrenamt mit Wirkung
Von einer Idee zur gelebten Kultur der Mosaikschule
Wenn heute in unserer Gemeinde über Bildung, Förderung und Chancengleichheit gesprochen wird, gehört die Hausaufgabenschule in der Mosaikschule selbstverständlich dazu. Was im Jahr 2015 als Initiative einer engagierten Pädagogin begann, ist inzwischen ein fester Bestandteil des schulischen Lebens rund um die Mosaikschule geworden.
Dabei war die Ausgangsidee ebenso einfach wie wirkungsvoll. Marlene Pauls, gebürtig aus Büllingen und viele Jahre als Lehrerin in St Vith tätig, erkannte nach ihrer Pensionierung eine Lücke. Aus ihrer aktiven Zeit im Schuldienst wusste sie, dass schulischer Erfolg nicht allein vom Unterricht abhängt. Entscheidend sind oft die Bedingungen, unter denen Kinder zu Hause lernen können. Während manche Familien ihre Kinder selbstverständlich begleiten, mit ihnen lesen, üben und strukturieren, fehlt anderen diese Möglichkeit aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Frau Pauls wollte nach ihrer Pensionierung bewusst etwas zurückgeben. Sie wollte Kindern durch gezielte Hausaufgabenbegleitung sinnvoll helfen und einen Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit leisten. Der Weg dorthin war jedoch keineswegs geradlinig. Die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten gestaltete sich über längere Zeit schwierig. Organisatorische Fragen, Versicherungsaspekte und Zuständigkeiten mussten geklärt werden. Doch Marlene Pauls ließ sich nicht entmutigen. Mit Beharrlichkeit und Überzeugung führte sie Gespräche, argumentierte für die Notwendigkeit des Projekts und blieb ihrem Ziel treu.
Am Ende konnte eine Lösung gefunden werden: Die Hausaufgabenschule erhielt einen festen Platz in den Räumen der Mosaikschule. Dieser Schritt war entscheidend. Er verankerte das ehrenamtliche Engagement im schulischen Alltag und schuf einen vertrauten Rahmen für die Kinder.
Von Beginn an war klar, dass ein solches Projekt nur im Team gelingen kann. Im Jahr 2015 startete die Hausaufgabenschule mit vier engagierten Frauen: Ingrid Roth, Angèle Grosjean, Helga Simon und Marlene Pauls. Frau Pauls ging persönlich auf Helga, Ingrid und Angèle zu. Sie wusste, wen sie ansprechen konnte, wer die nötige Geduld, Erfahrung und Leidenschaft mitbrachte. Alle sagten sofort zu und trugen die Idee mit großer Überzeugung mit.
Das Angebot begann zunächst dienstags und donnerstags. Im Laufe der Zeit wurde der Dienstag als fester Termin festgelegt – eine Struktur, die bis heute im Jahr 2026 Bestand hat. Einmal pro Woche treffen sich die Kinder zu einer zusätzlichen Lernstunde. Dabei geht es ausdrücklich nicht um Kindersitting oder reine Kinderbetreuung, sondern um gezielte pädagogische Unterstützung für jene Kinder, die sie wirklich benötigen.
Die Struktur ist bewusst klar und verlässlich. Die Kinder haben zunächst eine kleine Pause zur Stärkung. Anschließend folgt eine intensive Eins zu Eins Begleitung, die eine Stunde andauert. Gerade diese individuelle Zuwendung erweist sich als besonders wertvoll. Aufgaben werden erklärt, Grundlagen gefestigt, Lesefähigkeiten verbessert, Rechenwege eingeübt und vor allem Selbstvertrauen aufgebaut. Wer im Klassenverband zögert, Fragen zu stellen, findet hier einen geschützten Rahmen.
Im Laufe der Jahre kamen weitere engagierte Frauen hinzu. Marliese Pfeiffer fand das Projekt von Beginn an beeindruckend und engagiert sich seither mit großer Verlässlichkeit. Auch Elisabeth Genten stieß zum Team. Anita Brüls brachte sich zeitweise mit großem Engagement ein. Hermine Pfeiffer kam ebenfalls hinzu und unterstützt die Hausaufgabenschule mit Herz und Einsatz. Gemeinsam bilden sie im Jahr 2026 weiterhin den Motor dieser Initiative, die nach wie vor jeden Dienstag einen festen Platz in der Mosaikschule hat.
In der heutigen gesellschaftlichen Diskussion um Bildungsgerechtigkeit wird zunehmend betont, wie stark schulischer Erfolg von sozialen Rahmenbedingungen abhängt. Die Hausaufgabenschule in Büllingen begegnet diesen Herausforderungen bereits seit elf Jahren mit einer praktischen, lokalen Lösung. Ohne große Schlagworte, ohne politische Programme, sondern durch konkretes Handeln vor Ort.
Lehrer, Kinder und Eltern berichten übereinstimmend von positiven Entwicklungen. Leistungen stabilisieren sich, Kinder gewinnen Sicherheit im Unterricht, Lernfreude wächst. Für viele Kinder ist die Hausaufgabenschule nicht nur Lernzeit, sondern auch ein Ort der Verlässlichkeit – eine Stunde, in der sie im Mittelpunkt stehen.
Frau Pauls entschied sich nach zehn Jahren, die Leitung aus Altersgründen abzugeben. Ihr Engagement wirkt jedoch weiter. Ihre Idee lebt im Team fort. Die Hausaufgabenschule ist heute mehr als ein ergänzendes Angebot. Sie ist Teil der Identität des Bildungsstandortes Büllingen geworden.
Elf Jahre kontinuierliche Unterstützung für Kinder sind keine Selbstverständlichkeit. Sie stehen für Ausdauer, Idealismus und gemeinschaftliches Handeln. Besonders bemerkenswert ist, dass Marlene Pauls, obwohl sie in St Vith unterrichtet hat, bewusst in ihrer Heimatgemeinde Büllingen etwas aufbauen wollte. Auch ihre Tochter ist heute als Lehrerin tätig und führt damit den pädagogischen Gedanken in der Familie weiter.
Die Vertreter der Gemeinde Büllingen und die gesamte Schulgemeinschaft der Mosaikschule blicken mit großer Dankbarkeit auf diese Entwicklung.
Der Dank gilt Marlene Pauls für ihre visionäre Initiative und ihren langen Atem. Er gilt Ingrid Roth, Angèle Grosjean, Helga Simon, Marliese Pfeiffer, Elisabeth Genten, Anita Brüls und Hermine Pfeiffer für ihren Einsatz über Jahre hinweg.
Elf Jahre Ehrenamt in der Gemeinde Büllingen bedeuten elf Jahre konkrete Hilfe für viele Kinder. Dieses Engagement hat Spuren hinterlassen – in Lernheften, in Zeugnissen, vor allem aber in Biografien. Dafür gebührt allen Beteiligten Anerkennung und aufrichtiger Dank.


